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Die eingebrannte Hand von Foligno

Die eingebrannte Hand von Foligno

Am 15. März 1797 wurde in Bastia auf Korsika die spätere Chorschwester Theresia Margarita Gesta geboren. Ihr Vater war Dominiko Gesta, ein reicher Kaufmann und eifriger Katholik seiner Stadt. Das Mädchen erhielt in der Taufe den Namen Maria beigelegt. Schon im frühesten Kindesalter wurde der kleinen Theresia Margarita Gesta die Liebe zur Tugend und die Achtung und Hochschätzung der Lehren ihrer Religion eingeflößt. Als sie Jungfrau war, drang ihr einmal eine Fischgräte unter den Daumennagel der rechten Hand ein und verursachte ihr so viel Schmerz, dass sie, nachdem sie dadurch ein Jahr lang gepeinigt worden war, die ganze Hand nicht gebrauchen konnte. Sie gewöhnte sich den Gebrauch der linken Hand an, sogar zum Schreiben und Nähen. Als sie älter geworden war, verlobte sie sich, um dem Wunsche der Verwandten zu willfahren, mit einem jungen, angesehenen Mann. Sie trug sich aber mit dem heimlichen Gedanken, in ein Kloster einzutreten. Eines Tages wurde sie von Brustkrebs befallen. Ärzte erklärten die Krankheit für unheilbar. Nach einer langen und nutzlosen Kur meinten sie schließlich, dass, um der Jungfrau das Leben zu erhalten, nichts anderes übrigbleibe, als die gesunden Fleischteile einer anderen Person auf ihren Körper zu übertragen, und zwar durch eine Operation. Bei dieser traurigen Kunde wurde Gesta von großer Angst ergriffen. Dennoch ließ sie den Mut nicht sinken; sie wandte sich mit vertrauensvollem Herzen an die Trösterin der Betrübten, die heilige Jungfrau, und betete voll Inbrunst: «O Maria, heilige Mutter, wenn du mich von diesem so schweren Übel befreist, verspreche ich dir, die Welt zu verlassen und mich deinem Sohne Jesu in einem Kloster zu weihen.» Nachdem sie dies gesagt hatte, schlief sie ein; als sie erwachte, fand sie sich zu ihrer Freude und zum Trost ihrer Eltern von der tückischen Krankheit geheilt und völlig genesen. Sie pries und lobte Gott und die heilige Jungfrau für die erhaltene Gesundheit und beschloss ohne Zaudern, ihr Gelübde zu erfüllen. Sehr gelegen kam ihr dabei der Umstand, dass sie die Bekanntschaft der Stiftsherren Philipp und Stephan, Markgrafen Barnabo von Foligno, gemacht hatte. Diese waren nämlich von Napoleon I. nach Korsika verbannt worden, da sie den Treueid nicht leisten wollten. Zu ihnen ging Theresia Gesta und erklärte ihren Entschluss, worauf ihr das Kloster der Franziskaner-Terziarschwestern der heiligen Anna in Foligno vorgeschlagen wurde. Der Jungfrau gefiel der Vorschlag der Stiftsherren, und nachdem sie sich gehörig vorbereitet hatte, trat sie am 24. Oktober 1825 als Postulantin in das Kloster. Am 22. Februar 1826 wurde sie mit dem Ordensgewande bekleidet und fing ihre Probezeit an; am 28. Februar 1827 legte sie ihre Profess ab. Es wurde von den Nonnen, die anwesend waren, erzählt, dass Theresia Gesta nach der Einkleidung eine geraume Zeit wie entzückt und in höchster Ekstase war. Nach der Professablegung begann sie eine solche Lebensweise, dass sie der Spiegel und das Muster der ganzen religiösen Gemeinschaft wurde; sie verharrte auch darin bis zu ihrem Tode. Soviel sie konnte, unterzog sie sich allen Übungen, welche die Ordensregel vorschrieb, und war bei der Beobachtung dieser Regeln sehr streng und gewissenhaft. Sie kleidete sich mit alten und geflickten Gewändern, und als sie zur Äbtissin gewählt wurde, musste man ihr befehlen, dass sie ein ihrer Würde entsprechendes Gewand anlege. Nach und nach teilte sie ihre ganze Wäsche unter den anderen Schwestern aus. Sie selbst bediente sich der von den anderen abgelegten Sachen. In ihrem Zimmer hatte sie nur einen bloßen Strohsack, ein Tischchen, einen Stuhl, einige Bilder und einige andere unentbehrliche Geräte. Durch einige Zeit hindurch bediente sie sich sogar nur der Bretter, auf denen der Strohsack lag, zum Sitzen. In den 33 Jahren, die sie im Kloster verbrachte, bekleidete sie fast alle Ämter, und drei Jahre hindurch war sie Äbtissin; in allen diesen Ämtern unterließ sie nichts in ihrer einmal angenommenen Lebensart, und sie verharrte dabei bis zum 4. November 1859. An diesem Tage wurde sie nach dem Mittagessen, während sie einen Brief an ihren Bruder Johann schrieb, von einem Schlaganfall getroffen, der sie zur Erde warf und augenblicklich der Sinne beraubte. Danach starb sie um vier Uhr nachts, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben, beweint von allen Mitschwestern, welche den so plötzlichen und unvorhergesehenen Verlust ihrer so frommen Äbtissin tief beklagten. Am 5. November fand das feierliche Requiem für die Verstorbene statt. Als man sie am andern Tage beerdigen wollte, dachte man daran, sie an einem besonderen Ort beizusetzen. Dann aber beschloß man, einen Sarg aus Holz herstellen zu lassen und sie auf dem Friedhof der Nonnen zu begraben. Es waren seit ihrem Tode drei Tage vergangen, als sich in ihrem Zimmer oder in dessen Nähe von Zeit zu Zeit eine klägliche, jammernde Stimme vernehmen ließ. Man achtete aber darauf nicht und nahm an, es seien Sinnestäuschungen einiger furchtsamer Nonnen. Am 16. November ging die Chorschwester Anna Felice Menghini von Montefalco, unter allen Nonnen die furchtloseste, gegen zehn Uhr vormittags in das Wäschezimmer und hörte, während sie die Stiege hinaufging, eine klagende Stimme. Es schien ihr, als ob es die Stimme der verstorbenen Theresia Margarita Gesta wäre, die ehemals ihre Genossin als Aufseherin über das Wäschezimmer gewesen war. Sie lachte jedoch schließlich über sich selbst und sprach bei sich: «Es wird wohl eine Katze sein, die in einem der großen Schränke eingeschlossen ist.» So ging sie furchtlos weiter und öffnete sofort einen Schrank, sah aber hier nichts Besonderes. Nachdem sie einen weiteren Schrank geschlossen hatte, erhob sich das Klagen und Jammern von neuem. Dasselbe ereignete sich, als sie den dritten Schrank geöffnet hatte. Nun aber rief die lebhafte und unerschrockene Nonne mit lauter Stimme: «Jesus, Maria, es ist doch nichts hier!» Sie hatte kaum ausgesprochen, als sie die kummervolle Stimme der verstorbenen Äbtissin erkannte, welche mit angstvollem Seufzer ausrief:
«O mein Gott, welch große Pein!»
Als dies Schwester Felice hörte, erschrak sie nicht wenig und erbleichte. Sie fasste sich aber bald und rief: «Weshalb denn?» Darauf die Verstorbene:
«Der Armut wegen!»
«Aber wieso denn?» fragte die unerschrockene Nonne, «du bist ja so arm gewesen.» Die Stimme rief zurück:
«Nicht wegen mir, sondern der Nonnen wegen! Wenn eine genug tun kann, weshalb zwei oder drei? ... Und du, gib acht auf dich!»
Während dieser Worte wurde das Zimmer von einem dichten Rauch erfüllt, und der Schatten der Verstorbenen schien sich von den Schränken zum Ausgang (von dem einige Stufen in die Vorhalle führen) zu begeben, dabei immerfort vor sich hinmurmelnd, ohne dass Schwester Anna Felice etwas davon verstand.
An der Tür angekommen, rief die Verstorbene mit lauter Stimme:
«Dass ich dir erscheine, ist eine große Gnade! Ich kehre nie mehr zurück, und als Zeichen hinterlasse ich dieses!» ...
Und dabei gab es an der Tür einen laut hallenden, starken Schlag, der Rauch zerteilte sich sofort, und das Zimmer hatte sein voriges Aussehen wiedergewonnen. Jetzt nun, da Schwester Anna Felice wieder klar sehen konnte, floh sie eiligst aus dem Zimmer, und schon auf der zweiten Stufe rief sie die Mitschwester Maria Angelina Torelli, die sich in ihrer Zelle befand, deren Fenster auf den Flur hinausging. Aber noch vor dieser kam zufällig die Schwester Maria Vittoria Vicchi herbei, welche zu wissen verlangte, was vorgefallen sei, als sie die Menghini so verstört und zitternd sah. Da die Menghini jedoch die Furchtsamkeit dieser Schwester kannte und sie nicht erschrecken wollte, sagte sie nichts davon, sondern verlangte nur nach der Schwester Maria Angelina, die unterdessen herbeikam. Zu dieser sagte sie, am ganzen Leibe zitternd: «Mir ist die Schwester Theresia Margarita erschienen!» Nach diesen Worten floh die Vicchi entsetzt, und die ganz bestürzte und verwirrte Torelli wusste nicht, was sie sagen sollte. Da sie jedoch die Menghini aufs äusserste erschöpft sah, nahm sie diese bei der Hand und führte sie in die Zelle der Äbtissin, damit sie sich dort erhole. Unterdessen hatte die Vicchi den anderen Nonnen schon Mitteilung von dem Vorfall gemacht, worauf alle eiligst zur Äbtissin gelaufen kamen, um Genaueres über das seltsame Ereignis zu erfahren. Diese erzählte ihnen alles, was sie von der Menghini gehört hatte, auch dass es bei den letzten Worten der Verstorbenen: «Und als Zeichen hinterlasse ich dieses!» einen starken Schlag an der Tür gegeben hatte. Darauf riefen die Nonnen: «Und ist denn wirklich ein Zeichen geblieben?» Darauf antwortete die Menghini: «Ich weiß es nicht, da ich in meinem Schrecken gar nicht an ein Nachsehen gedacht habe.»
Nun begaben sich sämtliche Nonnen zur Tür des Wäschezimmers, um diese zu untersuchen. Und siehe da: Sie fanden die Hand der Schwester Theresia Margarita auf dem Türflügel eingedrückt, besser und deutlicher, als sie jemand mit einer glühenden Eisenhand hätte einbrennen können. Als dies die Nonnen sahen, erschraken sie begreiflicherweise sehr. Weinend und klagend begaben sie sich eiligst in den Chor, um für die Arme Seele der Verstorbenen zu beten. Da nun Schwester Menghini die ganze Genossenschaft so erschreckt sah, erfasste sie bitterer Kummer, und sie bereute es, gesprochen zu haben. Sie versuchte deshalb, den Eindruck der Hand an der Tür zu verwischen, doch war es vergebliches Bemühen. Als die Nacht angebrochen war, ging sie zum Schlafen in ihre Zelle; bevor sie sich niederlegte, wollte sie aber noch die sieben Bußpsalmen für die Seelenruhe ihrer verstorbenen Mitschwester beten. Sie tat dies, legte sich nieder und schlief ein. Kaum war dies geschehen, so hatte sie einen besonderen Traum. Es schien ihr, als komme die Verstorbene ganz heiter und fröhlich zu ihr, worauf sie, Schwester Menghini, fragte: «Theresia Margarita, was hast du denn, warum so heiter?» Darauf die Verstorbene:
«Oh, jene sieben!»
«Welche sieben?» fragte wieder die Menghini. Die verstorbene Äbtissin sagte:
«Jene sieben Bußpsalmen, welche du für mich vor dem Schlafengehen gebetet hast. Oh, welcher Trost waren sie für mich! Wie wirksam sind sie doch bei dem Throne Gottes! Sie erbitten Milde und Barmherzigkeit und erlangen von Gott Gnade und Verzeihung! Ich danke dir dafür und auch den Nonnen für die Liebe, die sie mir erwiesen haben. Gott hat mir in seiner Barmherzigkeit alles zugewendet. Durch das gerechte Urteil Gottes, des furchtbarsten Richters, war ich zu 40 Jahren Fegfeuer verurteilt worden, da ich einigen Nonnen gegenüber zu nachgiebig gewesen war. Die Strafe ist aber durch eure Gebete auf 15 Jahre ermäßigt worden.»
Dann fuhr sie fort:
«Gott ist wenig mit den Menschen zufrieden wegen der großen Sünden, die sie begehen. Es wird bald die Stunde kommen, wo er die Schale seines Zornes über sie ausgießen und viele schwere Strafen senden wird. Und du wirst sehr leiden müssen; es werden Trübsale und Bitterkeit über dich kommen, aber ich werde immer für dich beten, und Gott wird dir Barmherzigkeit gewähren. Sei aber auch du treu in deinem Gelübde.»
Am Abend des 19. November desselben Jahres begab sich Schwester Anna Felice Menghini gegen vier Uhr nachts zu Bette. Kaum lag sie darin und betete ihrer Gewohnheit gemäß den Psalm «Miserere», als sie sich dreimal beim Namen gerufen hörte. Sie erhob sich sofort und setzte sich schnell aufs Bett, worauf sie am Bettende einen runden Lichtschein erblickte, der mit seinem Glanze die ganze Zelle erleuchtete. Das Licht erhob sich immer höher, und sie hörte eine sanfte Stimme:
«Am Tage des Leidens bin ich gestorben (Freitag), und am Tage des Leidens werde ich zur Herrlichkeit eingehen. Ertrage geduldig Kreuz und Leiden! Lebe wohl! Lebe wohl! Lebe wohl!»
Kaum waren diese Worte verklungen, als Schwester Anna Felice eiligst vom Bette heruntersprang und zur Zelle hinauslief, um die Schwester Maria Magdalena Minelli zu rufen, welche nebenan wohnte, damit auch sie das Licht sehe. Diese kam sofort, konnte aber nichts wahrnehmen, da von der Erscheinung nichts mehr zu sehen war. Zur Kenntnis dieser Ereignisse kam auch bald die bischöfliche Kurie von Foligno, welche schon am 23. November eine Untersuchung einleitete und den Prozess darüber zu führen begann. Man öffnete das Grab der Verstorbenen, nahm die rechte Hand der Toten und legte sie auf den Eindruck an der Tür. Alle anwesenden Augenzeugen erklärten, dass diese auf das Genaueste mit dem Eindruck übereinstimme. Man bedeckte dann den Eindruck der eingebrannten Hand mit einem Schleier, versiegelte ihn und hob den rechten Flügel der Tür mit demselben aus, worauf man ihn in den Kreuzgang des Klosters brachte. Hier wurden dann auf Anordnung der bischöflichen Kurie das Siegel und der Schleier entfernt und die Erlaubnis erteilt, einen jeden, der es wünsche, die eingedrückte Hand sehen zu lassen. Gegenwärtig ist zu größerer Sicherheit ein verschließbarer Rahmen mit einer Glasscheibe darüber angebracht worden. Dadurch bleibt der Eindruck der Hand besser verwahrt.
Und damit jeder Zweifel darüber genommen werde, dass dieser Bericht genau der Wahrheit entspricht, unterschreiben diese mit eigener Hand und bestätigen es zugleich mit dem Siegel des Klosters die Äbtissin des Klosters St. Anna zu Foligno mit ihren ältesten Mitschwestern:
Schwester Maria Cletta Bartoccini, Schwester Anna Theresia Giovagnoli, Schwester Maria Convetta Poleri, Schwester Anna Felice Menghini, Schwester Maria Magdalena Minelli, Schwester Maria Angelina Torelli, Vikarin, Schwester Maria Vittoria Constante Vicchi, Äbtissin.
Nun folgen die Zeugnisse:
«Der Unterzeichnete war Beisitzer im Prozess, den Monsignore Beletti, seligen Andenkens, veranstaltete über den Eindruck der eingebrannten Hand auf einem Türflügel (der sich im Kloster St. Anna zu Foligno befindet), herrührend von Schwester Theresia Margarita Gesta, die nach ihrem Tod erschienen ist. So ist es.
F. Vincenzo M. Amoretti aus dem Predigerorden.»
Bemerkt sei noch, dass die Prozessakten in den Händen der bischöflichen Kurie zu Foligno (Umbrien) sind und dass auch der geringste Zweifel an der Echtheit des Protokolls bzw. der von der Äbtissin Constante Vicchi schriftlich niedergelegten Darstellungen ausgeschlossen ist.

Quelle:
(Robert Klimsch, Dr.; Leben die Toten?; Verlag Styria. Graz-Leipzig-Wien 1937; S. 157.)
http://web246m.dynamic-kunden.ch/maria/gesta.html

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